Berufsunfähigkeitsversicherung: Kosten & Beiträge im Überblick 2026
Von Stefan RothAktualisiert am 6. Mai 20267 Min. Lesezeit
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung 2026? Monatsbeiträge nach Beruf und Alter, Brutto vs. Netto und wo du wirklich sparst.

Inhaltsverzeichnis▾
- Wie hoch sind die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung nach Beruf?
- Warum dein Geburtsjahr fast so wichtig ist wie dein Beruf
- Brutto und Netto, der wichtigste Begriff im ganzen Vertrag
- Was treibt den Preis der Berufsunfähigkeitsversicherung nach oben?
- Wo du wirklich sparst und wo nicht
- Selbstständige, ein eigener Fall
Wenn mich jemand fragt, was Berufsunfähigkeitsversicherung Kosten eigentlich bedeuten, dann ist meine ehrliche erste Antwort: Das kann ich dir noch nicht sagen. Kein seriöser Berater kann das. Der Preis hängt an so vielen persönlichen Faktoren, dass jede pauschale Zahl entweder Werbung oder Glückssache ist. Trotzdem werde ich dir hier konkrete Beiträge nennen, denn völlig im Dunkeln tappen musst du auch nicht.
Die Spanne reicht von rund 35 Euro im Monat für einen jungen Studenten bis deutlich über 300 Euro für einen Dachdecker Mitte vierzig. Das ist Faktor zehn, und der Grund dafür sind im Kern zwei Dinge: dein Beruf und dein Eintrittsalter.
Wie hoch sind die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung nach Beruf?
Kurze Antwort: zwischen 35 und über 300 Euro im Monat, je nachdem, wie risikoreich dein Beruf eingestuft wird. Damit du ein Gefühl bekommst, hier eine Tabelle mit Beiträgen, wie ich sie in der Praxis sehe. Annahme: 1.500 Euro monatliche BU-Rente, Laufzeit bis 67, Nichtraucher, keine relevanten Vorerkrankungen, Eintrittsalter 30. Das sind Nettobeiträge, also das, was tatsächlich vom Konto geht.
| Beruf | Beitrag pro Monat | Risikoklasse |
|---|---|---|
| Student (Wirtschaft) | 35 bis 55 € | sehr günstig |
| Bürokauffrau, Verwaltung | 50 bis 80 € | günstig |
| Ingenieur, IT-Fachkraft | 55 bis 80 € | günstig |
| Lehrer (angestellt) | 60 bis 90 € | mittel |
| Krankenpfleger | 110 bis 160 € | teuer |
| Tischler, KFZ-Mechaniker | 150 bis 240 € | teuer |
| Dachdecker, Gerüstbauer | 210 bis 320 € | sehr teuer |
Was dabei auffällt: Der Ingenieur und der Dachdecker versichern dieselbe Rente, aber der eine zahlt das Vier- bis Fünffache. Das ist keine Abzocke, sondern Mathematik. Ein Dachdecker wird statistisch viel häufiger berufsunfähig, und das deutlich früher. Der Versicherer kalkuliert genau dieses Risiko ein. Wie die Berufsgruppen in der Berufsunfähigkeitsversicherung konkret eingestuft werden und was das für deinen Beitrag bedeutet, erkläre ich in einem eigenen Artikel.
Ärgerlich ist es trotzdem, weil ausgerechnet die Berufe mit dem höchsten Risiko die höchsten Preise zahlen. Wer körperlich arbeitet, braucht die BU am dringendsten und bekommt sie am teuersten. Genau deshalb sage ich Handwerkern immer: Schließt früh ab, am besten in der Lehre. Da ist es noch bezahlbar.
Warum dein Geburtsjahr fast so wichtig ist wie dein Beruf
Das Eintrittsalter ist der zweite große Hebel, und er wird oft unterschätzt. Schau dir an, was derselbe Bürojob (1.500 Euro Rente, bis 67) je nach Startalter kostet:
| Eintrittsalter | Beitrag pro Monat |
|---|---|
| 20 Jahre | 40 bis 55 € |
| 25 Jahre | 45 bis 65 € |
| 30 Jahre | 55 bis 85 € |
| 35 Jahre | 70 bis 110 € |
| 40 Jahre | 100 bis 160 € |
| 45 Jahre | 140 bis 230 € |
Zwischen 25 und 40 verdoppelt sich der Beitrag locker, und das für identischen Schutz. Der Grund ist nicht nur das höhere Risiko. Mit 40 hast du in aller Regel schon ein paar Diagnosen in der Akte, einen Bandscheibenvorfall, eine Therapie, irgendetwas. Und jede dieser Diagnosen kann einen Zuschlag, einen Ausschluss oder im schlimmsten Fall eine Ablehnung bedeuten.
Ich hatte vor zwei Jahren einen Kunden, 34, der den Abschluss immer wieder verschoben hatte. “Mach ich nächstes Jahr.” Dann kam eine Rückenuntersuchung dazwischen, harmlos eigentlich, aber sie stand im Befund. Am Ende bekam er nur noch einen Vertrag mit Ausschluss der gesamten Wirbelsäule. Bei einem Schreibtischjob mag das verschmerzbar sein, beschissen ist es trotzdem.
Brutto und Netto, der wichtigste Begriff im ganzen Vertrag
Hier wird es technisch, aber es lohnt sich. Jede BU hat zwei Beiträge:
- Bruttobeitrag (Tarifbeitrag): die rechtliche Obergrenze, bis zu der der Versicherer den Beitrag anheben darf, wenn die Kalkulation nicht aufgeht.
- Nettobeitrag (Zahlbeitrag): das, was du heute tatsächlich zahlst, oft deutlich niedriger, weil die Überschüsse des Versicherers den Beitrag drücken.
Der Trick mancher Anbieter: Sie locken mit einem extrem niedrigen Nettobeitrag, haben aber einen doppelt so hohen Bruttobeitrag dahinter. Sieht im Vergleichsrechner toll aus. Wenn die Überschüsse aber wegbrechen, und das passiert in Niedrigzinsphasen, kann der Beitrag bis auf das Brutto steigen. Plötzlich zahlst du statt 60 Euro eben 110.
Mein Rat: Schau dir immer das Verhältnis an. Ein guter Tarif hat einen Nettobeitrag, der vielleicht 20 bis 35 Prozent unter dem Brutto liegt, nicht 50 oder mehr. Lieber etwas mehr heute zahlen und dafür Planungssicherheit haben. Bei einem Vertrag, der dich vielleicht 35 Jahre begleitet, ist das keine Kleinigkeit.
Was treibt den Preis der Berufsunfähigkeitsversicherung nach oben?
Neben Beruf und Alter sind es vor allem Rentenhöhe, Laufzeit und Gesundheitszustand, die den Beitrag beeinflussen. Im Einzelnen:
- Höhe der BU-Rente. Logisch, mehr Rente kostet mehr. Faustregel sind 70 bis 80 Prozent vom Netto. Unter 1.000 Euro lohnt sich der Aufwand kaum, weil der Betrag im Ernstfall mit anderen Leistungen verrechnet wird.
- Laufzeit. Schutz bis 67 ist teurer als bis 60. Aber Vorsicht: Wer mit 60 aufhört, hat in der riskantesten Lebensphase keinen Schutz mehr. Sparen am falschen Ende.
- Gesundheitszustand. Raucher zahlen oft 15 bis 25 Prozent mehr. Vorerkrankungen, hoher BMI, Psychotherapie in den letzten Jahren, alles wird abgefragt und bepreist.
- Hobbys. Klettern, Tauchen, Motorsport, Fallschirmspringen. Risikohobbys können einen Zuschlag auslösen.
- Beitragsdynamik. Eine jährliche Anpassung schützt vor Inflation, erhöht aber Beitrag und Rente Jahr für Jahr.
Die Gesundheitsfragen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sind übrigens der Punkt, an dem die meisten Verträge wackeln. Wer hier schludert oder etwas verschweigt, riskiert im Leistungsfall die Auszahlung. Lieber ehrlich antworten und notfalls einen Zuschlag schlucken als später ohne Geld dastehen.
Wo du wirklich sparst und wo nicht
Es gibt seriöse Wege, den Beitrag zu drücken, und es gibt Spartipps, die im Leistungsfall teuer werden. Die guten zuerst:
- Früh abschließen. Der mit Abstand größte Hebel. Jedes Jahr früher spart bares Geld und sichert dir die niedrigere Risikoklasse.
- Vergleichen. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten guten Tarif liegen für denselben Menschen oft 40 bis 100 Prozent Unterschied. Das ist der Aufwand wert. Unabhängige Orientierung liefert zum Beispiel die Stiftung Warentest, die regelmäßig BU-Tarife unter die Lupe nimmt.
- Korrekte Berufseinstufung. Versicherer ordnen denselben Beruf manchmal unterschiedlich ein. Eine genauere Tätigkeitsbeschreibung (zu wie viel Prozent sitzt du am Schreibtisch?) kann die Klasse verbessern.
- Akademikerbonus prüfen. Wer studiert hat, bekommt bei vielen Anbietern einen Rabatt.
Und jetzt die Sparideen, von denen ich abrate: an der Rentenhöhe knausern, die Laufzeit auf 60 kürzen, oder auf wichtige Klauseln verzichten wie den Verzicht auf abstrakte Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Genau diese Klausel entscheidet im Ernstfall darüber, ob der Versicherer dich auf irgendeinen anderen Job verweisen darf oder eben nicht. Wer hier 5 Euro im Monat spart, kann sich die ganze Versicherung sparen.
Selbstständige, ein eigener Fall
Bei Selbstständigen rechne ich anders. Ihr habt keinen Arbeitgeber, der die Erwerbsminderungsrente teilweise auffängt, und oft auch keine vollwertige gesetzliche Absicherung — wer nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, findet auf deutsche-rentenversicherung.de Informationen zu den Voraussetzungen für Erwerbsminderungsrente. Die BU ist für viele Soloselbstständige die einzige Säule. Entsprechend wichtig ist eine ausreichend hohe Rente, gern auch über den 80 Prozent.
Die Beiträge liegen je nach Tätigkeit im selben Rahmen wie bei Angestellten, ein selbstständiger Grafiker zahlt ähnlich wie ein angestellter Designer. Wer aber körperlich arbeitet, etwa ein selbstständiger Maler, landet schnell bei 200 Euro und mehr. Hier lohnt es sich besonders, mehrere Anbieter prüfen zu lassen, weil die Einstufung handwerklicher Selbstständigkeit stark schwankt.
Ein Punkt, den viele übersehen: Als Selbstständiger kannst du oft eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung nutzen, wenn dein Einkommen steigt. Bei einem Geschäft, das wächst, ist das Gold wert. Was sonst noch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige zu beachten ist, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.
Wenn du heute zwischen 25 und 35 bist und einen Bürojob hast, rechne mit 50 bis 90 Euro im Monat für einen ordentlichen Schutz. Hol dir zwei, drei Angebote, achte auf das Brutto-Netto-Verhältnis und die Verweisungsklausel, und unterschreib dann. Der teuerste Fehler ist nicht der etwas zu hohe Beitrag. Der teuerste Fehler ist, noch ein Jahr zu warten.
Häufige Fragen
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Monat?+
Für 1.500 Euro BU-Rente zahlt ein 25-jähriger Büroangestellter etwa 40 bis 65 Euro im Monat, ein Handwerker im gleichen Alter eher 130 bis 250 Euro. Der Beruf ist neben dem Eintrittsalter der größte Hebel. Akademiker und Verwaltungsberufe sind am günstigsten, körperlich arbeitende Berufe am teuersten.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettobeitrag?+
Der Nettobeitrag (auch Zahlbeitrag) ist das, was du tatsächlich überweist. Der Bruttobeitrag ist die rechtliche Obergrenze, bis zu der der Versicherer im Notfall erhöhen darf. Vergleiche immer beide Werte. Ein verlockender Nettobeitrag bei doppelt so hohem Bruttobeitrag ist ein Risiko, kein Schnäppchen.
Warum wird die BU mit dem Alter teurer?+
Mit jedem Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, und mögliche Vorerkrankungen kommen dazu. Wer mit 20 abschließt, friert ein niedriges Risiko für die gesamte Laufzeit ein. Zwischen 25 und 40 verdoppelt sich der Beitrag für denselben Schutz oft fast.
Kann ich die Beiträge zur BU von der Steuer absetzen?+
Eine selbstständige BU zählt zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen, deren Höchstbetrag aber meist schon durch die Krankenversicherung ausgeschöpft ist. Steuerlich bringt sie deshalb für die meisten Angestellten wenig bis nichts. Im Auszahlungsfall ist die BU-Rente nur mit dem geringen Ertragsanteil steuerpflichtig.


